Vor Air Dolomiti, den Gebrüdern Wright und Montgolfier, noch vor Leonardo da Vincis Fluggeräten und vor jeder anderen revolutionären Erfindung konnten Menschen nur in ihrer Fantasie fliegen. In der Antike richteten die Menschen ihren Blick deshalb wissbegierig zum Himmel, um Himmelskörper, Wetterereignisse und den Vogelflug zu beobachten – voller Neugier, aber auch voller Furcht vor dem Verbotenen, das deshalb umso faszinierender erschien.

So entstand die Mythologie, jene Gesamtheit aus Erzählungen und Volksglauben, die jede Kultur begründet. Mythen erklärten das Unerklärbare, forderten die Gesetze der Physik heraus und wagten Dinge, die der Mensch weder tun und noch verstehen durfte.

Deshalb ist das Fliegen eines der am meisten wiederkehrenden Themen sowohl in der Mythologie als auch in den unterschiedlichsten Religionen.

Viele von euch erinnern sich sicherlich an die Geschichte von Ikarus und dessen Vater Dädalus, die sich Flügel aus Federn und Wachs bastelten, um von Kreta zu fliehen. Denn sie kannten die Geheimnisse des Labyrinths, das Minos gebaut hatte, um den schrecklichen Minotaurus darin gefangen zu halten. Von Ikarus ist der Weg nicht weit zu einer Gestalt der germanischen Heldensagen: Wieland der Schmied konnte unzerstörbare Schwerter, Rüstungen und Flügel zum Fliegen schmieden. Seine Kunst hatte er bei den Zwergen gelernt, die sehr geschickt Metall verarbeiten konnten.

Der japanische Windgott Fūjin, eine der ältesten Shintō-Gottheiten Japans, hingegen fliegt anders. Fūjin, der als Gestalt mit grünem Körper und ohne Flügel dargestellt wird, kann dank einer Plane durch die Lüfte gleiten, die sich im Wind bläht und ihn wie einen einfachen Hängegleiter vom Boden abheben lässt.

In der Mythologie der Philippinen, die vom Aberglauben der vorchristlichen Religionen und dem Hinduismus beeinflusst ist, gibt es Ekek und Wakwak, vogelähnliche Menschenwesen mit Flügeln. Sie ähneln Nachttieren oder Vampiren und sind oft auf der Suche nach unschuldigen Opfern.

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Aus einem anderen Bereich der Mythologie kommen die geflügelten Pferde: so zum Beispiel Pegasus, das Symbol der Freiheit, das in den Himmel auffliegt und in ein Sternbild verwandelt wird. Oder die Walküren, tapfere Kriegerinnen im Dienst des Göttervaters Odin, die in der nordischen Mythologie auf geflügelten Pferden reitend dargestellt werden. Oder auch der Hippogryph, ein wundervolles geflügeltes Fabelwesen, das halb Pferd und halb Adler ist. Den Lesern von Ludovico Ariostos „Rasendem Roland“ sind diese Fabelwesen gut bekannt – und natürlich auch den Fans von Harry Potter. 🙂

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Den Blick immer nach oben gerichtet mit dem Bedürfnis, das Unbekannte zu erobern, hat der Mensch seit jeher fantastische Geschichten erfunden, die das Fliegen mit dunklen Mächten oder Göttern verbinden.

Viele Jahrhunderte lang war das Fliegen nur in der Welt der „Zauberei“ möglich – bis zum Zeitalter der großen Erfindungen.

Doch wer hätte damals gedacht, dass in nicht allzu ferner Zukunft Flugzeuge das normalste Verkehrsmittel überhaupt werden sollten, um Zeit und Entfernungen zu verkürzen?