Heute sind atemberaubende Luftaufnahmen der Erde allgegenwärtig. Früher jedoch konnten die Menschen nur in ihrer Vorstellung erahnen, wie die Welt aus der Vogelperspektive aussah. Wenn ihr unseren Artikel über die Ursprünge der Luftbildfotografie noch nicht gelesen habt, ist es höchste Zeit, das nachzuholen.

In diesem Artikel werden wir erzählen, wie die Luftbildfotografie die Fotografie verändert hat. Jene gilt heute als Kunst und nicht mehr nur – in Form der Luftbildmessung – als Hilfstechnik der Kartografie und der Militärstrategie, wenngleich hier die Wurzeln für ihre anfängliche schnelle Verbreitung liegen.

Mit Sicherheit eröffnete die Einführung der Drohnen der Kunstfotografie unendlich viele neue Ausdrucksmöglichkeiten, die den Blick auf Landschaft veränderten und bisher unentdeckte Orte zugänglich machten. Zur Bestätigung dieser These reicht es, sich die Entwicklung der renommiertesten internationalen Auszeichnungen und Preise für Fotografie anzuschauen.

Seit 1955 zeichnet World Press Photo die besten und repräsentativsten Pressefotos zum Zeitgeschehen aus, die im laufenden Jahr aufgenommen wurden. Als Bezugspunkt für den weltweiten Fotojournalismus ist die Stiftung für ihren akademischen und eher traditionellen Ansatz bekannt. Dieser zielt darauf ab, die Grundlagen einer Kunst zu bewahren, die ständig von technologischen Innovationen bedroht ist.

Aber Technologie ist, wenn sie in die richtigen Hände gelangt, auch eine Chance für die Kunst. Es reicht ein Blick auf die vielen Fotografien, die „von oben“ aufgenommen und in den letzten Jahren prämiert wurden. 2015 gewann Tomas van Houtryve dank des geschickten Einsatzes einer Drohne den zweiten Preis in der Kategorie „Contemporary Issues“, Massimo Sestini fotografierte ein Boot voller Migranten vor der libyschen Küste und wurde mit dem zweiten Platz für Einzelfotos in der Kategorie „General News“ ausgezeichnet. Und 2018 gewann Luca Locatelli mit dem Projekt Hunger Solutions den zweiten Platz in der Kategorie „Environment/Stories“, für das er seine Drohne geschickt über die riesigen Gewächshäuser im sogenannten Food Valley in den Niederlanden steuerte.

Seit Kurzem gibt es sogar eigene Wettbewerbe für Luftbildfotografie, wie zum Beispiel die Drone Awards, die seit 2018 Luftaufnahmen in den folgenden Kategorien sammeln, bewerten und auszeichnen: Drone Photo of the Year, Abstract, Wildlife, Nature, People, Sport und Urban.

Als echte Kunstliebhaber dürfen wir aber nicht die Luftaufnahmen von Edward Burtynsky vergessen. Der Kanadier ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen, die die Auswirkungen des industriellen Wandels auf die Umwelt dokumentieren. Burtynsky ist bekannt für seine spektakulären, großformatigen Landschaftsaufnahmen aus der Luft: Flüsse, Seen und Wüsten werden durch sein Objektiv zu faszinierenden Grafiken in leuchtenden Farben.