Eines der Merkmale von Flugzeugen, das – selbst Reisenden mit weniger Flugerfahrung – sofort ins Auge sticht, ist die „Größe“ des Fahrwerks. Die Räder, welche die Flugzeuge tragen, wirken im Verhältnis zu den großen Flugzeugrümpfen und Tragflächen unglaublich klein, doch die komplexe Konstruktion des Fahrwerks ist so konzipiert, dass sie das Gewicht des Flugzeugs trägt und der Stoßbelastung bei der Landung standhält. Immer.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine unserer Embraer-195 mit einer Kapazität von 120 Passagieren wiegt voll beladen etwa 46.000 kg. Ganz zu schweigen davon, dass die Geschwindigkeit eines Flugzeugs bei der Landung etwa 250 km/h beträgt. Eine Stoßbelastung, die also maximale Dämpfung erfordert.

Das Fahrwerk (engl. „landing gear“) besteht aus einer einfahrbaren, auf Rädern montierten Konstruktion, die ausschließlich bei der Bewegung des Flugzeugs am Boden, beim Start und bei der Landung eingesetzt wird. Sobald das Flugzeug in der Luft ist, wird das Fahrwerk je nach Flugzeugmodell und -größe in den Flugzeugrumpf oder in die Tragflächen eingefahren.

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Früher, vor der Einführung der Einziehfahrwerke, wurden die Flugzeugräder auf feststehenden Fahrwerken montiert, was jedoch einen starken aerodynamischen Widerstand erzeugte. In den 1920er und 1930er Jahren waren die ersten rudimentären „Einziehmechanismen“ verfügbar, die zu einem Merkmal der neuen Generation von Jagdflugzeugen im Zweiten Weltkrieg wurden.

Einziehfahrwerke sind bewegliche und somit komplexere und schwerere mechanische Komponenten. Ihre Einführung brachte jedoch so viele und so große Vorteile mit sich, dass sie den größeren Wartungsbedarf im Vergleich zu den starren Fahrwerken lohnen.

Heute werden die Fahrwerke vor jedem Flug von Piloten und Technikern überprüft. Zuerst wird die Abnutzung der Reifen und Bremsen überprüft, dann werden spezifische Tests durchgeführt, um eine Störung bei der Hydraulik oder Elektrik, welche die Fahrwerke steuern, auszuschließen.

Eine Kuriosität: Die Dämpfung in den Fahrwerken erfolgt durch ein System von Kammern und Kolben, die mit Stickstoff und Öl gefüllt sind.

Im Notfall wird das Ausfahren der Fahrwerke immer durch ein Freifallsystem garantiert, das manuell von den Piloten betätigt wird. Es nutzt dabei das Eigengewicht des Fahrwerks und die aerodynamische Strömung, um das Fahrwerk in die Ausgefahren-Position zu bringen.

Und jetzt eine Herausforderung für euch: Achtet beim nächsten Flug auf die Geräusche! Das Dröhnen, das ihr kurz nach dem Start zusammen mit dem „Pfeifen“ der Luft, das langsam abnimmt, je mehr das Flugzeug an Höhe gewinnt, hört, bedeutet, dass das Fahrwerk eingefahren wird. Das metallische Geräusch des „Aushakens“, das ihr vor der Landung hört, zeigt an, dass das Fahrwerk ausgefahren wird und dass ihr bald am Ziel eurer Reise ankommen seid.

Bis zum nächsten Flug!