Oft haben wir in diesem Abschnitt, der unseren Geeks gewidmet ist, über Instrumente und Verfahren geschrieben, die in der militärischen Luftfahrt Anwendung finden.

Die Luftbetankung, deren Geschichte und Geheimnisse wir gleich für euch lüften werden, ist ein solcher Vorgang. Der Grund liegt auf der Hand: Verkehrsflugzeuge starten am Flughafen A und landen am Flughafen B, sodass die benötigte Treibstoffmenge genauestens berechnet wird. Für die Berechnung der Treibstoffmenge, mit der ein Verkehrsflugzeug betankt werden soll, werden drei wesentliche Faktoren in Betracht gezogen:

  • der Kraftstoff, der zur Abdeckung der Flugstrecke benötigt wird,
  • eine zusätzliche Treibstoffmenge („Alternate Fuel“), die für einen eventuellen Weiterflug vom eigentlichen Zielflughafen zum Ausweichflughafen benötigt wird,
  • zusätzlicher Treibstoff („Contingency Fuel“), der für Verschiedenes eingeplant wird, wie etwa den sogenannten Reservetreibstoff, der beispielsweise bei ungünstigen Wetterbedingungen benötigt wird.

Die Luftbetankung ist ein diffiziles Verfahren, das nur vom Militär genutzt wird und bei dem Treibstoff während des Fluges von einem Tankflugzeug an ein anderes Flugzeug übergeben wird.

Die ersten Experimente in diese Richtung gehen auf die 1920er-Jahre zurück: Mit einem Tankflugzeug, das etwas höher als das zu betankende Flugzeug flog, und einem Schlauch zur Verbindung der beiden Tanks konnten die ersten komplexen (und riskanten) Luftbetankungen erfolgreich durchgeführt werden. Doch erst Ende der 1940er-Jahre erwies sich dieses Verfahren als entscheidend für die Aufstellung neuer Flugrekorde. So schaffte die Boeing B-50 Lucky Lady II in 94 Stunden und einer Minute einen Nonstop-Flug um die Erde mit drei Luftbetankungen, die von Tankflugzeugen vom Typ KB-29M durchgeführt wurden.

Später wurden Luftbetankungen in mehreren Kriegen eingesetzt: In Vietnam, auf den Falklandinseln und im letzten Golfkrieg wurde auf verschiedene Techniken zurückgegriffen, mit deren Hilfe die Kampfflugzeuge größere Entfernungen mit weniger Gewicht zurücklegen und je nach taktischem Bedarf Treibstoff nachtanken konnten.

Es gibt verschiedene Luftbetankungssysteme:

  • mit einem Ausleger, der von einem Bediener über ein System von Kameras und Fernbedienungen autonom gesteuert wird, oder
  • mit Sonde und Fangtrichter, also abhängig vom Flug der beiden Flugzeuge, wie bei den ersten Experimenten der 1920er-Jahre.

Wie schon gesagt ist die Luftbetankung ein Vorgang, der nur Militärflugzeuge betrifft. Halb Militärflugzeug, halb Zivilflugzeug und „Königspalast“ in einem, bildet die Air Force One, das Flugzeug der Präsidenten der Vereinigten Staaten, die einzige Ausnahme von dieser Regel.

Die Boeing 747 des US-Präsidenten kann 7800 Meilen ohne Zwischenlandung fliegen. In außergewöhnlichen Krisensituationen, bei nuklearen Angriffen oder bei Gefahr für das Leben der Präsidentenfamilie kann sie jedoch in der Luft betankt werden.

(Header photo: Wikipedia)